Statement

Intelligenz wird durch Fluorid nicht niedriger

Eine aktuelle Langzeitstudie aus den USA zeigt: Fluorid im Trinkwasser in der zur Kariesprävention empfohlenen Dosierung hat keine negativen Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten.

Statement der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin

Viele Vorhaltungen und Besorgnisse von Eltern und Erziehungspersonen gegenüber der Verwendung von Fluorid zur Kariesprävention basieren auf Untersuchungen, in denen auffällig hohe Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser mit einem geringeren Intelligenzquotienten von Kindern in Verbindung gebracht wurden. Keine dieser Untersuchungen basiert jedoch auf den tatsächlichen Gegebenheiten in den USA, dem Land mit der weltweit am weitest verbreiteten Trinkwasserfluoridierung.

Eine aktuelle Publikation aus den USA zeigt jetzt auf eindrucksvolle Weise, dass eine Exposition gegenüber Fluorid im Trinkwasser in der Dosierung, die für die Kariesprävention empfohlen wird, keine negativen Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten der dort aufgewachsenen Menschen hat [1]. Die Studie zeichnet sich dadurch aus, dass die untersuchten Personen longitudinal in die Erhebungen eingeschlossen waren, dass die Personen über Jahrzehnte wissenschaftlich nachverfolgt wurden, und dass auf Daten Tausender amerikanischer Bürger zurückgegriffen wird. Zur Abschätzung der individuellen Fluoridexposition wurden die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser in den Regionen, in denen die Probanden aufgewachsen waren, herangezogen. Die kognitiven Fähigkeiten wurden anhand der Leistungen während der Schulzeit im Jugendalter in drei Schulfächern bewertet. Im Alter von 60 Jahren erfolgte bei einer Subkohorte der ursprünglichen Studienteilnehmer eine weitere Testung kognitiver Fähigkeiten. In diesem Alter wurden Gedächtnisleistungen, Sprachflüssigkeit und Aufmerksamkeit bewertet. In die Auswertungen für das Jugendalter gingen Datensätze für fast 58.000 Personen ein, in die Auswertungen für die 60-Jährigen die Daten von mehr als 13.250 Personen.

Die Auswertung der erhobenen Daten ergab, dass die Jugendlichen, die mit den empfohlenen Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser aufgewachsen waren, in der Schule eine leicht bessere kognitive Leistungsfähigkeit aufgewiesen haben als andere Jugendliche, die nie den Empfehlungen entsprechend Fluorid aufgenommen hatten. Die Effekte sind zwar gering, aber deutlich und einheitlich positiv. Im Alter von 60 Jahren sind die Leistungsunterschiede tendenziell zwar auch noch vorhanden, aber geringer und statistisch nicht mehr signifikant mit der Fluoridexposition in der Kindheit verbunden.

Die Studie widerlegt somit die Behauptung, dass die systemische Trinkwasserfluoridierung die Intelligenzleistungen von Kindern beeinträchtige. Die Autoren schlussfolgern, dass Ihre Studie starke Belege dafür liefere, dass die Exposition gegenüber Fluorid in Konzentrationen, wie sie üblicherweise im Trinkwasser in den Vereinigten Staaten vorkommen, Vorteile für die kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen hat. Zumindest ist sie auf jeden Fall nicht schädlich für die kognitiven Leistungen im späteren Leben.

Auf die Situation in Deutschland ist die Studie nicht unmittelbar übertragbar, weil in Deutschland das Trinkwasser nicht mit Fluorid angereichert wird und von Natur aus deutlich geringere Fluoridkonzentrationen enthält. Bei den bei uns vorhandenen Konzentrationen wurde auch in einer fluoridkritischen Meta-Analyse kein Zusammenhang zwischen der Fluoridexposition im Trinkwasser und dem Intelligenzgrad von Kindern ermittelt [2]. Die Fluoridbedenken von Eltern basieren aber vielfach weniger auf wissenschaftlichen Fakten, sondern sind erheblich emotional überlagert. Daher ist der in der neuen Studie [1] erbrachte Nachweis, dass eine Fluoridexpositionen durch Trinkwasser keine negativen Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen sowie im weiteren Lebensverkauf hat, auch für uns von Bedeutung.

Ein Zusammenhang zum Zähneputzen mit fluoridhaltigen Zahnpasten ist in den erwähnten Studien an keiner Stelle vorhanden. Die bei uns zur Kariesprävention umgesetzten Fluoridierungsempfehlungen für Kleinkinder sind jedoch sowohl mit Hinblick auf die Vermeidung von Fluorosen als auch mit Bezug auf die normale kognitive Entwicklung der Kinder sicher [3].

Literatur

  1. Warren JR, Rumore G, Kim S et al. (2025) Childhood fluoride exposure and cognition across the life course. Sci Adv 11:eadz0757
  2. Taylor KW, Eftim SE, Sibrizzi CA et al. (2025) Fluoride exposure and children's IQ scores: A systematic review and meta-analysis. JAMA Pediatr doi:10.1001/jamapediatrics.2024.5542
  3. Schiffner U (2024) Sicherheit der Anwendung fluoridhaltiger Kinderzahnpasten. Oralprophylaxe & Kinderzahnmed 46:86-89

Der DGKiZ-Vorstand

Autor:

Prof. Dr. Ulrich Schiffner

Beirat Prävention

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